Luft raus aus den Reifen – ab ins Kaokaland

Nach dem Verlassen von Swakopmund fahren wir noch einige Zeit entlang der Skelettküste bis zum Ort Henties Bay. Einige gestrandete Schiffe entlang der Route begleiten uns und der hartnäckige Küstennebel, der seine Feuchtigkeit in die Wüste treibt. Nach einem kurzen Stopp in Henties Bay biegen wir 90 Grad in die Wüste ab, um die diese auf den nächsten 120 Kilometern zu durchqueren. Kaum in der Wüste, erstrahlt auch schon wieder die Sonne und die Temperaturen rasen nach oben. Bald sind die 38 Grad erreicht. Aber ADDO fühlt sich wohl und so cruisen wir mit 70 km/h über die Wüstenpiste um im kleinen Ort Uis nochmals unsere Tankreserven aufzufüllen. Hier merken wir leider, dass die hohe Arbeitslosigkeit zu einer unangenehmen Nebenerscheinung führt: unkontrollierter Alkoholkonsum. Wir werden von einigen bereits am Vormittag schwer alkoholisierten Einheimischen regelrecht belagert und angebettelt. Gewünscht ist nur Geld, das dann schnellst möglich in Alkohol umgesetzt wird. Ein trauriges Bild in einem doch reichen und sehr entwickelten Land wie Namibia.

Unser Tankstopp dauert außerdem um einiges länger, da die Luft aus den Reifen raus muss. Der Luftdruck für Asphalt ist für die nächsten Straßen hinderlich und für die anstehenden Tiefsandpisten komplett ungeeignet.

Durch ungemein grüne und hügelige Landschaft gleiten wir auf unterschiedlich schlechten Pisten durch das Damaraland, bewundern die Kleiderpracht der Hererofrauen, bremsen regelmäßig für Kühe, Ziegen und Esel die die Straße überqueren. Zebras, Oryxantilopen und Springböcke folgen etwas später. An der Straße erscheinen immer öfter die Warnschilder vor querenden Elefanten. Wir kommen in das Gebiet der Wüstenelefanten die das Huabtal und das Ugabtal besiedeln und sich ganz speziell an die Gegebenheiten in diesem kargen Gebiet angepasst haben. Aufgrund der außergewöhnlich hohen Niederschläge in diesem Jahr führen sowohl Ugab als auch Huab noch Wasser und wir hoffen, dass wir die Elefanten dadurch leichter finden werden, da sie dann hoffentlich nicht in die entlegenen Gebiete abgewandert sind, sondern vielleicht doch noch entlang der Flüsse Ihren Aufenthalt haben.

Am späten Nachmittag erreichen wir unseren heutigen Nachtplatz. Das Mowani Mountaincamp inmitten toller Steinformationen. Der richtige Ort nach diesem Tag zum Entspannen.

Wer in diese Gegend rund um Twyfelfontein kommt sollte unbedingt die Orgelpfeifen und die Burned Mountains sowie die Felsmalereien der Ureinwohner anschauen. So machen es auch wir und kommen dabei ins Gespräch mit einem Nationalparkangestellten. Dieser erzählt uns, dass ganz in der Nähe die Wüstenelefanten gesehen wurden. Keine 10 Minuten entfernt. Sorry Orgelpfeifen, aber mit einem Schlag war da so ein Kribbeln und das Interesse an alten Steinen doch etwas in Hintertreffen geraten. Wir beschließen sofort aufzubrechen und aktivieren bei ADDO nach langem wieder einmal den 4×4 Antrieb. Eines vorweg, es waren nicht 10 Minuten sondern doch einiges länger, eher querfeldein als auf Straßen aber plötzlich am Flussufer des Huab einen Gruppe von Elefanten. Sichtbar aber noch sehr weit weg. Wir nähern uns vorsichtig und langsam bis wir auf unter 100 Meter an die Gruppe herankommen. Mehr als 15 Elefanten, vom kleinen Nachwuchs, der sich zärtlich fordernd an die Mutter schmiegt bis zur ausgewachsenen Leitkuh mit stolzen aber doch kleineren Stoßzähnen als bei den Steppenelefanten. Alles ist vertreten und wir beobachten die Gruppe mehr als einen halbe Stunde schweigend und ehrfürchtig bis Sie sich unter den Schatten der Uferbäume zurückziehen und langsam unserem Blicken entschwinden.

In den nächsten Tagen durchqueren wir das Damaraland und sind überrascht über die saftig grüne Landschaft rund um uns. Uns wird auch bald klar wieso. Wir kommen nicht nach Sesfontein und wie geplant nach Purros. Die Straße und somit der einzige Zufahrtsweg ist gesperrt. Der Regen der letzten Wochen und Tage hat die Straße weggespült. Wir wollen es nicht riskieren und fahren weiter nach Opuwo, der Haupstadt des Kaokalandes, in das Gebiet der Himbas. Auch wir müssen mehrmals etwas Offroad fahren, da auch diese Straße sehr stark in Mitleidenschaft gezogen wurde und somit streckenweise einfach nicht mehr vorhanden ist. Also entweder durchs Gebüsch seitlich oder einfach die jetzt schon wieder trockenen Flussläufe nutzen und kreuz und quer weiterfahren. Die Bevölkerung hat sich schlagartig geändert. Wir sind in Schwarzafrika angekommen. Und wir werden überall mit einem Lächeln begrüßt.

Opuwo dient uns in den nächsten 3 Tagen als Stützpunkt unserer geplanten Tour zu den Epopa Falls und auch dazu, wieder einmal die Wäsche zu waschen, die notwendigen Einkäufe zu erledigen und unseren recht leeren Tank aufzufüllen. Auch wenn wir vollgetankt mehr als 200 Liter Diesel an Bord haben. Tankstellen gibt es nur in den größeren Orten und sicher ist es nie, ob der Strom für die Pumpanlage vorhanden ist, oder auch wirklich Diesel vorrätig. Daher nutzen wir jede Gelegenheit zum Tanken.

Wir campieren am Rande einer Lodge direkt auf einem Hügel über Opuwo und übersehen unter uns liegend das Kaokafeld. Zusätzlich dürfen wir den Pool der Lodge mitbenutzen, wovon wir auch reichlich Gebrauch machen.

Die Fahrt zu den Epopa Falls gestaltet sich als Geduldsprobe. 180 km Schotterpiste durchfurcht von unzähligen ausgetrockneten Fluss- und Bachläufen. Runter ins Bachbett, Gas geben, raus auf der anderen Seite, beschleunigen für die nächsten 500m, bremsen, runter ins Bachbett. Mehr als 100 km das gleiche Spiel. Zermürbend aber nach 3,5 Stunden erreichen wir die Falls. Der Kunene, Grenzfluss zwischen Namibia und Angola fällt hier bis zu 60 Meter tief eine Felsstufe hinunter. Wir haben Bilder im Kopf, die ein schmales Wasserband zeigen, welches die Felsstufe überwindet. Was finden wir vor. Einen breiten Strom. Unmengen von Wasser stürzen sich auf einer Breite von über 150 Metern in die Tiefe. Langsam, mehrere Wasserbecken überquerend tasten wir uns zur Kante des Falls vor und werden mit einer kühlen feuchten Prise belohnt. Der Sprühnebel hüllt uns leicht ein und sorgt für angenehme Kühlung bei doch 39 Grad.

Wieder zurück in Opuwo planen wir unseren nächsten Ausflug. Diesmal zu den Himbas, in eines der Dörfer entlang der Straße. Die Himbas widersetzen sich bis heute der namibischen Regierung und Ihren Vorgaben und leben noch immer halbnomadisch im Kaokaland. In den letzten Jahren wurde international vor allem darüber berichtet, dass die Himbas geschlossen eine Petition gegen den Bau eines Kunene-Staudammes in Ihrem Stammesgebiet unterschrieben haben und diese mit einer Auflistung der Menschenrechtsverfehlungen bei der UNO eingereicht haben. Die Himbas leben heute noch großteils abseits der westlichen Zivilisation und Ihren Ausprägungen (halb)nomadisch im Nordwesten Namibias und im südlichen Angola. Sie betreiben nach wie vor Subsistenzwirtschaft. Ihr Reichtum sind Ihre Rinder, darüber hinaus züchten sie Schweine und Ziegen und betreiben eingeschränkt Ackerbau.

Auffallend ist im Speziellen Ihr Schmuck und Ihre Haartracht, die sich im Laufe des Lebens und der unterschiedlichen Lebensabstände ändern.

Große Bedeutung haben Haartracht und Schmuck sowie Körperbemalung. Aufgrund der unterschiedlichen Bekleigungsgegenstände und dem Schmuck ist erkennbar ob einen Frau bereits Kinder hat oder nicht, und wenn ja wie viele. Anhand der Haartracht wird zum Beispiel klar ob ein Mädchen schon in der Pubertät war oder nicht bzw. tragen junge Männer die Haare als Zopf in der Mitte des Kopfes nach hinten gerichtet, wobei die seitlichen Haare abrasiert sind. Verheiratete Männer tragen hingegen ein schwarzes Kopftuch, von dem Sie sich fast nie trennen.

Vor dem Schutz der Sonne und als Körperbemalung reiben sich die Himba mit einer Mischung aus Fett und Eisenoxyd ein, die Ihnen auch die unverwechselbare Körperfarbe gibt.

Frauen waschen sich ab der Pubertät nicht mehr. Sie reinigen den Körper mit dem Rauch spezieller Kräuter und salben ihn anschließend mit der oben beschriebenen Körpercreme. Jede Frau hat so Ihre eigene Kräutermischung entwickelt und somit Ihren eigenen Duft. Dies führt auch dazu, dass sie sofort erkennen würde, wenn Ihr Mann fremdgehen würde. Der Duft der Liebhaberin würde ihn verraten. Unseren westlichen Nasen, so denke ich, würde dies nicht auffallen.

Ihre Nachtruhe verbringen die Himbas in kegelförmigen Hütten aus Ästen, bedeckt mit Blättern und einem Lehm-Dunggemisch auf Tierfällen am Boden. Umgeben vom Schmuck und den Bekleidungsstücken, die innen an den Hütten aufgehängt sind.

Frühmorgens machen wir uns auf den Weg und entdecken nicht weit abseits der Straße ein Himbadorf. Wir werden freundlich begrüßt (auch die Himbas erkennen langsam den Tourismus als zusätzliche Einnahmequelle) und überreichen die mitgebrachten Gastgeschenke (Zucker, Maismehl). Wir können uns frei bewegen und erleben eine unvergessliche Zeit in diesem Dorf.

Hoffentlich dauert es noch lange, bis diese Kultur von unseren westlichen Dingen überrollt wird und damit irgendwann einmal ausgelöscht ist.

Dem Kunene folgend begeben wir uns weiter auf unserer Reise mit demnächst Station im Etosha Nationalpark und der anschließenden Kavango Zambezi Region bevor wir die Grenze nach Botswana überqueren werden.